Reden

Festrede anlässlich der Verleihung der Richard-Siegmann-Medaillen bzw. des Richard-Siegmann-Förderpreises für Willkommenskultur für Geflüchtete sowie der Dialoge-Preise für inklusive Kulturarbeit, gehalten am 17.11.2016 in der Michaelschule zu Rostock:

Liebe Engagierte,

Liebe Gäste,

herzlichen Dank für die große Ehre, die Festrede heute halten zu dürfen. Die Ehre gebührt aber vor allem den Preisträgerinnen und Preisträgern der Richard-Siegmann-Stiftung und des Landestheaterfestivals Dialoge, die heute wegen ihres Engagements für Geflüchtete bzw. für Inklusion gewürdigt werden.

Es war im Jahr 1943, als die jüdisch-deutsche Dichterin und Künstlerin Else Lasker-Schüler in Jerusalem, dem letzten Wohnort ihres Exils, ihren letzten Gedichtband veröffentlichte. Der Titel des Buches lautet: „Mein blaues Klavier“.

Im gleichen Jahr 1943 verhungerten Richard Siegmann und seine Frau in Theresienstadt, wohin sie verschleppt worden waren, weil sie, die sich der deutschen Heimat, die sie jahrzehntelang gestaltet hatten, verbunden fühlten, und nicht die rettende Flucht angetreten waren.

Else Lasker-Schüler war in Elberfeld in einer jüdischen Unternehmerfamilie aufgewachsen, und nach einigen Umwegen schlug sie schließlich in Berlin endgültig den Weg einer künstlerischen Existenz ein. Sie etablierte sich schnell als Schauspielerin, Künstlerin und Autorin. Lesungen, Theateraufführungen und Ausstellungen führten sie an eine Vielzahl von Orten.

1933 war es:

Da wurde Else Lasker-Schüler wie die anderen Menschen jüdischer Zugehörigkeit im Dritten Reich gewaltsam über die Schwelle ihrer Existenz gestoßen.

Es widerfuhr politischen Menschen, die ein anderes Verständnis von Gesellschaft, Staat, Welt hatten.

Es widerfuhr Menschen mit Roma-Zugehörigkeit.

Es widerfuhr christlichen Menschen, konfessionslosen Menschen.

Es widerfuhr Menschen mit Behinderung.

Es widerfuhr allen Menschen, die nicht in das Menschenbild des Dritten Reiches passten:

Erst wurden ihre Aussichten  durch Wolken gewalttätiger Worte verdunkelt, die nur eine kurze Weile verbargen, was das Naziregime vorhatte und bald schon umsetzen sollte: ihre aller Auslöschung.

Auch Richard Siegmann, der Namensträger und spiritus rector der heute verliehenen Medaillen, machte diese brutale Erfahrung: Rostock, die Stadt, der er 30 Jahre lang seine Tatkraft und Phantasie zum Wohle aller ihrer Bewohner_innen geschenkt hatte, verstieß ihn 1933 aus dem Vorstand der Rostocker Straßenbahn AG und aus allen städtischen Ämtern.

Wie Richard Siegmann verstand sich Else Lasker-Schüler – neben ihren unzähligen poetischen Masken – als deutsche Jüdin. Sie schrieb zeit ihres Lebens in der deutschen

Sprache, auch über ihr Jüdisch-Sein. Anders als Richard Siegmann verließ sie jedoch Deutschland: Es war am 19. April 1933, am selben Tag, an dem sie in Berlin von einer Gruppe Nazis auf der Straße mit Eisenstangen niedergeschlagen wurde. Sie stieg verletzt in einen Zug und flüchtete in die Schweiz. Nachdem sie ihre ersten Tage in Zürich draußen in den Parks verbracht hatte, wurde sie von der damals so genannten Sittenpolizei aufgegriffen und verhört.

Ihr Fall drang an die Öffentlichkeit und erregte Aufmerksamkeit und – Empathie: Freunde und Fremde stellten ihre Humanität unter Beweis. Sie richteten für sie kulturelle Benefizveranstaltungen aus, verhalfen ihr zu Publikationen in Exilmedien, ermöglichten ihr die Reisen und schließlich die Übersiedlung nach Jerusalem. Am Ende bezahlten Freunde  ihren Grabstein auf dem Tempelberg. Im Leben wie im Sterben war sie in ein Netz von Solidarität eingebunden.

Und dennoch: In diesem Leben auf der Schwelle fiel es Else Lasker-Schüler nicht leicht, das Gleichgewicht zu halten. Denn sie lebte das Leben vieler Geflüchteter:

Durch die Flucht fiel sie heraus aus ihrem Leben, hastete über Orts- und Landesgrenzen und stolperte in andere Orte in andere Leben hinein, in denen sie zugleich sein und doch nicht sein wollte. – Das unausweichliche Ziel auch IHRER Flucht wurde ihr aufgenötigt: Es war der unstete Zwischenzustand des Exils.

Denn egal wie lange sie an einem Ort war, ob in Zürich, Ascona im Tessin oder in Jerusalem – ihr Blick kehrte immer wieder zu dem, was sie zurückgelassen hatte, auch wenn sie sich noch so oft im Blick nach vorn versuchte. Was sie dort jedoch sah, bot keine Aussicht: Sie blieb bis zu ihrem Tod unterwegs und kam nie mehr an. Weder in einem neuen Zuhause, noch je wieder in dem alten Zuhause, das es so nie mehr geben sollte.

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Wir wissen nicht, was jemanden zur Flucht bewogen hat.

Wir wissen nicht, in welcher Situation jemand ist, wenn er oder sie auf der Flucht gerade bei uns ankommt. Ob er bei uns in Rostock nur einen Zwischenhalt macht, ob sie weiter will oder weiter muss? Oder bleiben kann?

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Else Lasker-Schüler, drückt in ihrer dialogischen Lyrik im Exil aus, was wohl auch andere Geflüchtete auf ihrer Flucht erleben: dass sie sich in einem Zustand der Schwebe befinden, in dem das innere Gleichgewicht bedroht ist: durch das, was sie vermissen, Menschen, Klänge, Wege; durch das, was sie brauchen, was sie suchen, was sie beklagen müssen, aber auch häufig durch den Umstand, dass sie das,  was sie können, nicht zeigen dürfen oder nicht zeigen können: ob als Maschinenbauingeneurin, als Händler, als Kleinbäuerin, als Chemiker, als Ärztin oder Radiomoderator, als Dichterin oder als Träumer.

In dieser Schwebe, auf der Schwelle zwischen „Nicht mehr dort“ und „Schon da, aber noch nicht angekommen“ entstand 1937 ihr Gedicht „Mein blaues Klavier“. Da lebte sie schon 6 Jahre im Exil:

Mein blaues Klavier

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier
Und kenne doch keine Note.
Es steht im Dunkel der Kellertür,
Seitdem die Welt verrohte.
Es spielten Sternenhände vier –

Die Mondfrau sang im Boote.

– Nun tanzen die Ratten im Geklirr.

Zerbrochen ist die Klaviatür.

Ich beweine die blaue Tote.

Ach liebe Engel öffnet mir

– Ich aß vom bitteren Brote –

Mir lebend schon die Himmelstür,

Auch wider dem Verbote.

Ich lese es noch einmal vor:

 

Mein blaues Klavier

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier

Und kenne doch keine Note.

Es steht im Dunkel der Kellertür,

Seitdem die Welt verrohte.

Es spielten Sternenhände vier –

Die Mondfrau sang im Boote.

– Nun tanzen die Ratten im Geklirr.

Zerbrochen ist die Klaviatür.

Ich beweine die blaue Tote.

Ach liebe Engel öffnet mir

– Ich aß vom bitteren Brote –

Mir lebend schon die Himmelstür,

Auch wider dem Verbote.“

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Was braucht jemand, der auf der Flucht ist, „seitdem die Welt verrohte“?

Was braucht jemand, die weinet um ihre „blaue Tote“?

Was geben wir jemandem, der schon „aß vom bitteren Brote“?


Wenn uns jemand begegnet, den die Rohheit der Welt berührt hat, geraten auch wir in einen neuen Raum.

Auch wir erleben uns anders, vielleicht unsicher, vielleicht manchmal unwohl. Dieser Raum war ja vorher noch nicht da, er ist uns nicht vertraut. Wie verhalten wir uns?

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Wie können wir diesen Raum zu einem gemeinsamen Raum machen?

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Wir können diesen Raum, der sich auf der Schwelle zwischen den Welten befindet, unserer eigenen Welt und ‚ihrer‘ Welt, zu einem gemeinsamen Raum  machen, indem wir ihn gemeinsam gestalten. Denn in diesem gemeinsamen Gestalten ereignet sich wahre Begegnung.

Wir wissen: Es reicht nicht, jemandem ein neues Paar Schuhe in der richtigen Größe zu geben, damit er die nächste Fluchtetappe antreten kann. Aber es geht auch nicht ohne.

Denn jemanden von dem rein Physischen zu befreien, auf das die Flucht Flüchtende zurückwirft, ihn mit Essen, Schlafstätte, Kleidern zu versorgen, schafft den Blick frei auf das, was den Menschen noch ausmacht: ein blaues Klavier bauen zu können, oder darüber schreiben zu können. Oder aber ein blaues Klavier einfach nur lieben zu können.

Dann geschieht wohl etwas, was in diesen Zeiten fast abgegriffen klingen könnte, wenn es nicht Zeichen größter Humanität wäre: Menschen willkommen zu heißen.

Es geschieht dann, wenn wir diesen Raum frei räumen können von zerbrochenen „Klaviatüren“.

Es geschieht dann, wenn es in dem Raum – neben dem Trauerort für die blaue Tote –  ebenso Platz gibt für Bett, Stuhl und Tisch, und – gegen das Geklirr im Dunkel – : Spiel, Tätigkeit und Gesang.

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Gemeinsam diese Räume zu schaffen und durch den rechten Ton wahrhaftige Begegnung im Dialog zu ermöglichen:

Das ist es, wofür wir heute die diesjährigen Preisträger und Preisträgerinnen der Richard-Siegmann-Stiftung sowie des Dialoge-Preises ehren wollen.

Danke.

erschienen am 7. Februar 1937 in der »Neuen Zürcher Zeitung«

Festrede anläßlich der Einbürgerungsfeierlichkeiten am im Rostocker Rathaus 31.1.2014

Sehr geehrte Frau Bürgerschaftspräsidentin,

sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren,

Mult stimate doamne si domni,

wenn jemand nach Deutschland kommt, ich meine, sich entschließt, hierher zu ziehen, bringt er oder sie einiges im Gepäck mit: Träume, Wünsche, Kenntnisse, sicherlich auch ein paar Erinnerungsstücke, schließlich Sehnsüchte, je nachdem, was die Ausreise veranlasst oder eben auch erschwert hat.

Und jeder von uns, der hierher kommt, bringt auch Wörter mit. Wörter in der Muttersprache. Zum Beispiel für „Ausreise“.

Auf Behörden-Rumänisch hieß das bei mir: „plecare definitiva“, die „Endgültige Ausreise“, die das kommunistische Regime uns plötzlich für November 1987 gewährt hatte.

Dann gab es in meinem Küchen-Rumänisch natürlich auch noch: „sperantza“, die Hoffnung, meinen an den Niederrhein geflohenen Vater nach langjähriger Trennung von der Familie gut anzutreffen.

Es gab natürlich auch eine andere Hoffnung meiner Eltern, die ich teilte: auf eine doktrinfreie Schule gehen zu können, und Unterricht auf deutsch besuchen zu können. Denn mein Vater war Rumäniendeutscher, und für diese Minderheit wurde es in den 80er Jahren in Rumänien immer schwieriger, kulturell und damit überhaupt zu überleben. Hier zu sein, bedeutete in diesem Sinne für mich in gewisser Hinsicht auch eine Stärkung meiner Identität: Ich war in der sicheren Vatersprache angekommen.

Meine Mutter aber war Rumänin, polnisch-jüdischer Herkunft. So behielt ich in meinem aktiven Wortschatz für immer auch das rumänische Wort „dor“: Sehnsucht. Sehnsucht nach den Karpaten, nach dem siebenbürgischen Speck und – Sehnsucht nach der rumänischen Muttersprache.

Anders als ich, werden die meisten von Ihnen hier vielleicht nur einige wenige deutsche Wörter im Einreisegepäck gehabt haben: Einreisevisum, Arbeitsplatz, Versicherung, Brot.

Wichtiges mussten auch Sie zurücklassen. Familienangehörige, Freunde, Freundinnen; ein Wirkungsumfeld; Bilder, Bücher, Düfte.

Uns verbot das Regime in den 80ern die Mitnahme jeglicher persönlicher Gegenstände: Geburtsurkunden, Fotos, Tagebücher; sogar die von Oma bestickten Taschentücher waren suspekt und wurden am Zoll konfisziert.

Wir reisten nur mit etwas Hausrat an. Ich erinnere mich besonders an einen sehr großen Topf, immens in meiner Erinnerung, furchtbar umständlich zu transportieren, in Wirklichkeit sicherlich nicht größer als 10l, den wir zum Abschied von Verwandten geschenkt bekommen hatten: verbunden mit deren Wunsch und unserer Hoffnung, dass wir auch „dort“/ „hier“ in Deutschland Freunde finden, also Heimat gewinnen würden. Letztlich ein subversiver Topf – Heimat, die wir am Zoll vorbeischmuggeln konnten.

Heimat konkretisierte sich dann aber auch ganz offiziell: 1988 hielt ich meine Einbürgerungsurkunde in den Händen. Ich lochte sie und legte sie pragmatisch in meinen Dokumentenordner mit dem Flüchtlingsausweis und dem rumänischen Pass ab. Bald kam der deutsche Pass hinzu. Ich war 16 Jahre alt, plagte mich mit französischer Grammatik, die mir Herr Winkelmann dreimal die Woche in kostenlosem Nachhilfeunterricht beibringen wollte. Außerdem hatte ich mir vorgenommen, mit meinen neuen Freundinnen diesen Sommer am Baggersee zu verbringen und irgendwann das Abitur zu machen. Das ging aber nicht ohne Französisch und – den Herrn Winkelmann, der nicht müde wurde, sich mit mir über die Gepflogenheiten an deutschen und sonstigen Baggerseen auf französisch zu unterhalten.

Ich machte schließlich Abitur, und nach Studien- und Arbeitsjahren in Freiburg, Tübingen und Berlin lebe ich nach inzwischen 27 Jahren PLECARE DEFINITIVA aus Rumänien mit meiner eigenen Familie in Norddeutschland, in Rostock. Einer weiteren Heimatstation.

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Was ist das für eine Stadt, die stellvertretend für die deutsche Gesellschaft stehen kann, in der auch Sie heute Ihre Einbürgerung erleben?

Ich möchte nur einige zwei drei Bespiele nennen, in denen Rostocker Institutionen und Bürgerinnen und Bürger sich für gesellschaftliche Vielfalt einsetzen.

  1. Mit dem International House des Auslandsamtes, an dem die Universität seit Herbst 2013 strickt, wird ein Raum der Begegnung für internationale Gäste, Rostockerinnen und Rostocker mit deutschem und Migrationshintergrund entstehen.
  2. Willkommenskultur zu realisieren ist das Ziel auch der Initiative von Stadt und Universität, langfristig ein gemeinsames Welcome Center Rostock auf die Beine zu stellen.
  3. Im Rahmen des Frauenkulturvereins Die Beginen Rostock  haben Rostocker Künstlerinnen das deutsch-dänische Kunstprojekt ÜbergangOvergang gestartet – einige von Ihnen kennen es –, das in Rostock und in Gedser Künstlerinnen und Jugendliche seit Sommer 2013 aus beiden Ländern in Projekten verbunden hat und das u.a. die Stadt Rostock ebenso wie Rostocker Unternehmen neben der Bundeskulturstiftung der Länder finanziell unterstützt haben.

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In welcher Gesellschaft leben wir heute also?

Sie ist wie jede Gesellschaft auch unvollkommen, was für uns alle hier bedeutet, dass wir noch etwas zu tun haben.

Und jede und jeder von uns hat diese Unvollkommenheit auf seine und ihre Weise erlebt. Ob es komplizierte Formulare sind, die Gestaltung des Platzes am Kröpeliner Tor, die derzeit überteuerten Mieten in Rostock – sie lösen wohl unseren Widerspruch aus; wir sind gefordert mitzudenken und zu handeln.

Es kann aber auch direktere Formen geben, die uns persönlich betreffen, ja treffen: Das sind Konflikte mit Menschen,  die uns als „AusländerInnen“ zu identifizieren meinen und dann daraus den Schluss ziehen, sie müssten uns aus Gründen der deutschen Staatsräson außer Landes wünschen. Ohne, dass sie uns kennen. Seit 27 Jahren lebe ich sehr gerne in Deutschland, und ich erlebe das bis heute, bei meinem Bäcker an der Ecke, aber auch in der Regionalbahn. Auch hier haben wir als alte und neue StaatsbürgerInnen eine Aufgabe. Sie ist schwer genug. Und es gibt kein Patentrezept dafür, damit richtig umzugehen. Wenn wir nachher gemeinsam die Hymne singen, werden unsere persönlichen Träume ebenso wie die Ziele unserer Gesellschaft zu Wort kommen: Einigkeit, Recht, Freiheit. Das sind die Säulen, die das Dach unserer Gesellschaft tragen und die wir regelmäßig festigen müssen. Das Dach aber, unter dem wir zusammen stehen, ist der erste Artikel des Deutschen Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Dieses Dach will genauso erhalten sein wie die Säulen.

Es gibt in Rostock viele Menschen und Einrichtungen, die daran arbeiten, dieses Dach zu hegen und die Säulen zu stärken.

Aus meiner Arbeit in der Universität möchte ich heute auf eine besondere Erfahrung hinweisen: Als unsere syrischen DoktorandInnen und Studierenden wegen der Konflikte in ihrem Heimatland plötzlich von ihren Familien und ihrer existentiellen Grundlage abgeschnitten wurden, konnten wir vom Auslandsamt der Universität auf ein starkes Netz der Solidarität zurückgreifen: Alle wirkten mit, unkompliziert und schnell Lösungen zu finden: die Integrationsbeauftragte, das Amt für Soziales, die Ausländerbehörde, das Studentenwerk, um nur einige Einrichtungen der Stadt zu nennen. Aber auch den MigrantInnenorganisationen, den studentischen Vertretungen, dem Freien Studentenorchester, der Evangelischen Studierendengemeinde, den engagierten Menschen im Peter-Weiß-Haus usw. ist zu danken, dass sie unkompliziert Kraft, Zeit, Räume zur Verfügung stellten.

Wir vom Auslandsamt der Universität Rostock haben dieses Netzwerk als sehr stabil erfahren. Ich persönlich war begeistert zu sehen, dass Vereine und Privatpersonen, Behörden und universitäre Einrichtungen in  kürzester Zeit in bestem Sinne staatsbürgerliche Verantwortung wahrgenommen haben.

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Wenn nun UNS  die Staatsbürgerschaft verliehen wird, wird damit auch Vertrauen ausgesprochen: Wir geben dir die Möglichkeit,  dich mit deinen Wünschen, Kenntnissen, deinen Erfahrungen, deiner Kraft und deinen Worten in diese Gesellschaft einzubringen.

Du kannst wählen und Du kannst gewählt werden. Du kannst wählen, wofür Du Dich engagieren willst, und Du kannst gewählt werden, wofür Du Verantwortung übernehmen willst.
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Ich erinnere mich an den Tag der Migration letzten Herbst, der hier im Erdgeschoss im Rathaus stattfand. Dort haben wir vom Frauenkulturverein, den Beginen, viele Worte in verschiedenen Sprachen von den Teilnehmenden geschenkt bekommen. Die Menschen haben damit vor allem ihren Wünschen für ihr Leben in unserer Gesellschaft Ausdruck verliehen. Heute reiche ich diese Worte weiter, an Sie verehrte Gäste, denn Sie, wir alle sind DIE Gesellschaft. Einige der häufigsten Worte, die die vielen internationalen TeilnehmerInnen uns schenkten, waren: Freiheit, Frieden und Willkommen, aber auch Tanzen kam vor und Dreirad.

Ich wünsche Ihnen, den neuen deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern, Kraft für die Umsetzung Ihres Traumes von der Freiheit, von einem guten Beruf, von einer guten Nachbarschaft – und ich wünsche Ihnen Freunde und Freundinnen, die sie dabei unterstützen, um unsere gemeinsame Gesellschaft zu gestalten. Ich glaube, nur indem wir unsere neue Heimat mitgestalten, wird sie uns wahrhaftig zur Heimat werden. Also streiten Sie mit, wenn es um die nächsten Baumaßnahmen in Rostock geht: zum  Beispiel demnächst hier am Neuen Markt.

Und den großen Topf, in dem Sie für Ihre Freunde kochen, wenn Sie sich zum Debattieren verabreden, leihe ich Ihnen gerne aus.

Multumesc pentru atentia d-voastra.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.